Wie Westdeutsche begannen, die Welt zu erkunden

Wer denkt, dass Westdeutsche von Beginn an privilegierter reisen konnten als Ostdeutsche, täuscht: Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich auch „im Westen“ kaum jemand einen Urlaub überhaupt leisten. Mit dem Wirtschaftswunder jedoch begannen Deutsche aus der Bundesrepublik, die Welt zu erkunden – allen voran „Bella Italia“.

Mit dem Auto nach Italien

Das Anfang der 50er Jahre einsetzende Wirtschaftswunder war für viele Westdeutsche gleichbedeutend mit der Möglichkeit, ein eigenes Auto zu besitzen. Zuvor wären gerade Auslandsreisen nur mit dem Zug möglich gewesen. Mit der zunehmenden Verbreitung des Automobils jedoch rückten Urlaubsziele wie Italien immer näher.

Der Schlager „Zwei kleine Italiener“ ist bester Ausdruck dafür, wie das damalige Sehnsuchtsziel der Westdeutschen ihre Kultur beeinflusste. Capri, Rimini und ein paar Tage Rom: „Bella Italia“ war gerade von Süddeutschland aus mit dem Auto schnell zu erreichen und lockte mit Sonne, Strand und Meer. Mitte der 50er Jahre reisten bereits 4,5 Millionen Deutsche nach Italien.

Von der Nordsee nach Mallorca

Noch bis Ende der 60er Jahre allerdings waren Urlaubsziele innerhalb Deutschlands – von Bayern bis zur Nordsee – am beliebtesten. Schon bald aber ermöglichten immer mehr Flugverbindungen Reisen in ganz neue Regionen. Ein Beispiel: Nachdem 1956 das erste deutsche Flugzeug auf Mallorca landete, begrüßte die Baleareninsel 1975 schon sieben Millionen deutsche Urlauber.

Quellen:

Hinz-Wessels, Annette: Tourismus, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-modernisierung/bundesrepublik-im-wandel/tourismus.html, abgerufen am 25. September 2015.

DuMont Reiseverlag (1999): Endlich Urlaub. Die Deutschen reisen. Ostfildern 1999.