25 Jahre Reisewende und trotzdem zurück in die Vergangenheit

Ich war 10 Jahre alt als die Mauer fiel und die DDR auf einmal nicht mehr DDR war. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Kindheit und die Urlaube die wir damals machten. Heute fragt man sich eher: Wohin fliegen wir denn dieses Jahr? Aber warum in die weite Welt fliegen wenn die pralle Natur eigentlich schon fast um die Ecke liegt?!Man kann doch keinen Urlaub im Osten machen, werdet ihr jetzt sicher sagen. Aber ich sage D O C H und habe die Einladung von Expedia, eine Story zum Thema Reisewende umzusetzen, zu meinem persönlichen Anlass genommen, um mich und meine Wurzeln vorzustellen. Also los geht’s, ab in die ehemalige DDR. Was hat sich verändert, was ist gleich geblieben – und wie fühlt sie sich an, die „Ostalgie“?

Der Müritz-Nationalpark

Der Müritz Nationalpark liegt umgeben von unzähligen Seen und Flüssen mitten in Mecklenburg Vorpommern. Weite Felder, grüne Wiesen und so unfassbar viel Wald werden hier, vor allem im Sommer, jeden Morgen von der Sonne gestreichelt. Besonders schön finde ich, dass man diesen Nationalpark nicht mit dem Auto befahren kann, nicht mal mit einem Trabi. Es empfiehlt sich hier definitiv diese vergessene Welt mit dem Fahrrad zu entdecken.

Ein Blick in die Vergangenheit, oder der Besuch bei „Manjola“

Ich dachte mir: Wenn ich schon so eine Reise in meine ehemalige Heimat mache, dann muss ich auch diesen wunderschönen Nationalpark mit einem Trabant erkunden. Vielleicht kennen das einige. Ein „Trabi“, so nannten wir Ossis unsere Trabant liebevoll, war das Pappauto auf den man in der DDR 13 Jahre lang warten musste. Einen Trabi an der Müritz zu finden, war nicht schwer, so landeten wir schließlich bei „Manjola“; Manja & Olaf haben im Dorf einen Getränkehandel, eine Fleischerei und ein Restaurant. Wahnsinn, was die alles können, dachte ich mir und freute mich auf den Trabi, denn den hatten sie schließlich auch.

Mit so einem alten Trabi meine alte Heimat, in der ich jetzt 25 Jahre nicht mehr gewesen bin, zu bereisen, weckt bei mir im Laufe des Tages sehr viele Kindheitserinnerungen. Mein altes Fahrrad, mit dem ich jeden Morgen zur Polytechnischen Oberschule, so hieß die Schule im Osten, gefahren bin oder der Geruch des alten Trabants. Ach was waren das Zeiten. Wenn man dieses Fleckchen Erde so im Heute erlebt, kann man sich garnicht vorstellen, dass man in der damaligen DDR wirklich eingesperrt war.

Es gibt aber auch sehr sehr viele schöne Dinge an die ich mich gerne erinnere, deshalb hier...

Meine persönlichen 5 Favorites aus der DDR, die bei einer Reise in die DDR nicht fehlen dürfen:

  • Knusperflocken (gefühlt altes Knäckebrot mit Schokolade)
  • Nudossi (Nutella des Ostens)
  • Oblaten (ein traditionelles Gebäck aus Tschechien)
  • Pfeffi (ein Schnaps, ok ich war 10 und kannte ihn nicht, ich weiß aber, dass es der DDR Schnaps war)
  • und das wichtigste: SOLJANKA (ein Eintopf aus Paprika, Tomaten und JETZT KOMMTS: Gewürzgurken)

Pappeln-gesäumte Alleen ein Schlosshotel und das DDR Museum

Typisch für den Osten und vor allem für den Müritz-Nationalpark sind die langen, von alten, großgewachsenen Bäumen gesäumten Strassen. Nicht die Strassen die wir aus dem Jetzt kennen, sondern Strassen mit vielen Schlaglöchern, die man in einem Trabi besonders gut spürt. Ach, Heimatgefühl kommt da auf, weil ich noch genau weiß wie es sich anfühlt, als 10 Jähriger mit einem Trabi von der Ostsee nach Berlin zu fahren, auf eben solchen Strassen. So zeigte uns Olaf an diesem vom Wetter verwöhnten Samstag den, ach was „seinen“ Müritz Nationalpark. Als Abschluss gabs eine persönliche Überraschung für mich. Ein echtes DDR Museum!

Der Besuch im DDR Museum war der ultimative Flashback. Herr Fuchs, dieses rostbraun melierte Kuscheltier, welches ich im Trabi vorfand, versetzte mich wieder in die Zeit vor knapp 30 Jahren, als ich jeden Abend um 18:00 Uhr im Schlafanzug, mit meiner Leberwurststulle (Brot) vor dem Fernseher saß, um den Sandmann anzuschauen. Herr Fuchs, Frau Elster und Pittiplatz meine Kindheitshelden aus dem Fernseher. Da war die Welt für mich in Ordnung!

Im Osten war einiges anders. Hier eure Vokabel Hausaufgaben:

  • Hähnchen (Westen) – Broiler (Osten)
  • 2 ZKB (Westen) – 2 Raumwohnung (Osten)
  • Kondome (Westen) – Mondos (Osten)
  • Mama (Westen) – Mutti (Osten) wichtig: konsequent Mutti!

Was bleibt, ist die Erkenntnis:

„Was ein Wochenende!“, dachte ich mir auf dem Heimweg. Was ist es wirklich, das eine Reise erfolgreich macht? Sind es puderweisse Strände? Etliche Meilen die wir mit dem Flugzeug zurück legen? Sind es Roadtrips mit dem VW Bulli, bei welchen wir uns frei und jung fühlen? Oder sind es einfach unsere Erinnerungen, das Vertraute im Fremden, die Menschen die uns begleiten oder die wir treffen. Es ist für mich die Erinnerung, die Erinnerung die uns frei und doch geborgen fühlen lässt – ganz egal wo uns die nächsten Jahre als Travelblogger, Globetrotter und Abenteuerfreunde und Weltentdecker noch so hinführen werden!

Bevor ich Euch von der Ostalgie wieder ins Jetzt mitnehmen, hier noch eine kleine Playlist, die auf so einer, für mich emotionalen Reise nicht fehlen darf:

  1. Puhdys – Alt wie ein Baum
  2. Roxette – Dangerous
  3. Karat – Über sieben Brücken musst Du gehen
  4. Udo Lindenberg – Sonderzug nach Pankow
  5. Nina Hagen – Du hast den Farbfilm vergessen
  6. City – Am Fenster
  7. Ute Freudenberg – Jugendliebe
  8. Helga Hahnemann – Jetzt kommt die süße

In diesem Sinne: Seid bereit, immer bereit!